Auf dieser Seite finden Sie Gedanken zum Sonntag oder eine ausformulierte Predigt sowie ein Segensgebet.

Die Predigten hier können in Form und Inhalt von den Predigten im Gottesdienst abweichen.


Am ersten Sonntag im Monat findet um 9 Uhr in Borken und am dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr in Homberg ein Kindergottesdienst statt.


Die Lesungstexte der Sonn- und Wochentage finden Sie unter:

Weihnachten

24./25.12.2025

Gedanken zum Sonntag

Wann beginnt Weihnachten?

Wann fängt Weihnachten für Sie an?


Wenn alle Vorbereitungen getroffen sind?

Weihnachtsbaum geschmückt und die Krippe aufgestellt ist?

Wenn Bescherung ist?

Wenn wir jetzt die Weihnachtsbotschaft hören?


Wann fängt Weihnachten an?

Sie haben hoffentlich einen guten Heiligen Abend verbracht?!

Mit all dem, was für viele Menschen zu Weihnachten dazu gehört:

Mit der Krippe, dem Weihnachtsbaum,
mit guter Musik und netten Menschen.

Alles so schön.


Alles so schön?

Der Blick in die Bibel erzählt alles andere als eine „schöne“ Geschichte.

Weihnachten beginnt hart, dunkel, kalt.

Damals war es war alles andere als idyllisch.

Die Menschwerdung Gottes greift massiv in das Leben ein.

In das Leben Marias, in das Leben Josefs.

Da ist die Ankündigung der Geburt,
die Botschaft des Engels.

Ein junges Glück wird auf die Probe gestellt.

Dann noch die Anordnung des Staates: Volkszählung, auf nach Bethlehem, in eine überfüllte Kleinstadt.

Dort angekommen,
erleben die beiden den nächsten Frust.

Alle Zimmer sind belegt, kein Platz, „Kein Zimmer für ihren Zeitraum verfügbar“ würde es heute bei booking.com oder einer anderen Onlineplattform heißen.

Das junge Paar und mit ihm das Kind, mit ihm Gott, erfährt verschlossene Türen.
Abweisung, Keine Aufnahme finden.

Immerhin werden sie nicht ausgewiesen.


Am Ende dann noch ein kleines Glück. Der Stall.

Na, viel Freude. Die Geburt eines Kindes in einem Stall.

Wann Weihnachten für uns beginnt, können wir einigermaßen sagen.

Wie damals die Menschwerdung Gottes begann, erzählt die Bibel.

Weihnachten beginnt mit Überraschungen,
die das Leben verändern.


Weihnachten beginnt mit Dunkelheit, Nacht, Kälte, Frust.

Im Dunkeln, im menschlicher Kühle, in Ablehnung,
in der Nacht.

Nacht, Dunkelheit - das steht für Vieles.

Für Angst, für Ungewissheit.
Für all das, was wir nicht überblicken, was uns Sorgen macht, was uns müde werden lässt.


Menschen erleben heute "Nacht":

Es sind die Kriege, die nicht enden.
Die Angst vor der Zukunft.
Die Angst vor einer Gesellschaft,
der immer mehr in Polarisierung verfällt.
Ein rauer Ton in politischen Debatten – ein rauer Ton gegenüber Mitmenschen – ist zu hören.


Es gibt immer mehr Menschen, die sich nicht mehr gesehen fühlen – oder bewusst übersehen werden und gesellschaftlich und sprachlich ausgegrenzt werden.

Menschen erleben ihre persönliche Nacht,
weil ein lieber Mensch krank ist oder nicht mehr lebt.

Weil Paare sich trennen, weil Vertrauen zerbrochen ist.

Auch unsere Zeit kennt diese tiefe Nacht,
kennt Abweisung, kennt Dunkelheit.


Gerade in dieser Nacht geschieht etwas Entscheidendes:
Gott wird Mensch.

Weihnachten sagt: Gott kommt dir nah.

Als Kind, verletzlich, angewiesen auf andere. 


Mitten hinein geboren in die Wirklichkeit dieser Welt.

Gott kommt nicht als Antwort auf alle Fragen,
sondern als Weggefährte mitten durch die Fragen hindurch.

Der Name dieses Kindes ist Programm:
Immanuel – Gott mit uns.


Das Weihnachtsgeschehen wird auf vielen Bildern dargestellt, in vielen Liedern besungen. 


In einem Lied des holländischen Theologen Huub Osterhuis heißt es:

„In tiefer Nacht trifft uns die Kunde,
der Lauf des Morgensterns beginnt.

„Ein Menschensohn ist uns geboren,
‚Gott wird uns retten‘ heißt das Kind.“

„Tut auf das Herz, glaubt euren Augen,
vertraut euch dem Geschauten an.“

„Kein andres Zeichen ist uns eigen,
kein Licht in unsrer Finsternis,
als dieser Mensch, mit dem wir leben,
ein Gott, der unser Bruder ist.“

Gott ist ein Bruder, ein Geschwister.

Gott lässt sich nicht aufhalten.

Gott verschafft sich Zugang.


Die Hirten und die Weisen haben sich diesem Gott anvertraut. Das ist die Einladung an uns:

Wir dürfen uns diesem Gott anvertrauen.

Mit unseren Nächten, unseren Dunkelheiten unserem Frust.


Weihnachten ist ein Fest zum Hinschauen und Hinhalten.

Schaut hin, sagt Weihnachten.
Nicht weg. Nicht vorbei.

Schaut auf die Menschen,
die heute unter die Räder geraten:
Menschen, die auf der Flucht sind und zu politischen Zahlen gemacht werden.
Menschen, die trotz Arbeit kaum leben können.

Menschen, die als Sündenböcke herhalten müssen.


Schaut auf die Kinder, die mit Angst aufwachsen,
weil ihre Zukunft unsicher erscheint.
Schaut auf Menschen, die vereinsamen.
Und all jene, deren Würde im öffentlichen Diskurs infrage gestellt wird.

Weihnachten ruft uns zu:
Schaut hin!
Denn Gott selbst hat hingeschaut.

Und er ist geblieben.

An Weihnachten wird Gott Mensch.

Gott ist kein Symbol.
Gott ist Mensch, steht an der Seite des Menschen und setzt sich für den Menschen ein.


Und so kann christlicher Glaube niemals unpolitisch sein.
Christlicher Glaube setzt sich für den Menschen ein. Unabhängig von seiner Sprache, seinem Aussehen, seinem Notendurchschnitt, dem Gehaltskonto und seiner Religion.


Wenn Gott unser Bruder wird,
dann kann kein Mensch uns gleichgültig sein.
Dann kann es uns nicht egal sein,
wenn Sprache verroht,
wenn Solidarität als Schwäche gilt,
wenn Angst gezielt geschürt wird, um Macht zu sichern.

Weihnachten widerspricht dem.

Die Botschaft von Weihnachten ist eine schöne,
aber auch nüchterne Botschaft.

Denn Gott steht an der Seite derer, die heute zu Unrecht abgewiesen und abgeschoben werden.

Er steht auf der Seite derer, die vor verschlossenen Türen und Herzen stehen.


Der Friedensfürst, der uns geschenkt ist,
führt nicht auseinander.
Er spaltet nicht.
Er sammelt.

In einer Zeit, in der das Trennende oft lauter ist als das Verbindende,
bleibt Weihnachten ein Gegenentwurf.


In dem Lied von Osterhuis heißt es weiter:
„Singt eurem Gott, er hat in Jesus
uns seine Liebe anvertraut.“

„Er führt die Menschen zueinander,
macht seine Liebe allen kund.“

Weihnachten ist kein idyllisches, kein statisches Geschehen von damals.

Weihnachten ist Dynamik, Kraft. Bewegung.

Die Kraft Gottes bricht sich Bahn,

Diese Kraft Gottes will uns in Bewegung bringen, will uns Kraft verleihen, Licht sein, ermutigen Türen, Herzen zu öffnen.


Wie beginnt Weihnachten?

Damals im Dunkeln, Kühle und Abgewiesenheit.


Wie beginnt Weihnachten?

Heute beginnt Weihnachten, wenn Menschen einander Türen öffnen, wenn sie aufnehmen statt ablehnen und abschieben,

Wenn Menschen anlächeln statt eine kalte Schulter zeigen,

wenn Menschen umarmen, statt Distanz aufzubauen,

Weihnachten beginnt, wenn wir Weihnachten leben. Dort, wo wir sind, so wie wir es können.


Ich wünsche Ihnen und uns, dass Weihnachten uns mutiger macht, dass es uns menschlicher sein lässt,
wachsamer für die Würde des anderen
und hoffnungsvoll handeln lässt,
gegen alle Dunkelheiten.



Das Lied von Huub Osterhuis findet sich Gotteslob (Bistum Fulda) unter der Nummer 813.


Der Text lautet:


In tiefer Nacht trifft uns die Kunde:
Der Lauf des Morgensterns beginnt.
Ein Menschensohn ist uns geboren,
„Gott wird uns retten“ heißt das Kind.
Tut auf das Herz, glaubt euren Augen,
vertraut euch dem Geschauten an;
denn Gottes Wort stieg aus der Höhe
und ist uns menschlich zugetan.


Kein andres Zeichen ist uns eigen,
kein Licht in unsrer Finsternis,
als dieser Mensch, mit dem wir leben,
ein Gott, der unser Bruder ist.
Singt eurem Gott, er hat in Jesus
uns seine Liebe anvertraut.
So wird die Welt zur neuen Erde,
bis alles Fleisch sein Heil erschaut.


Und wie die Sonne für uns leuchtet
in Glut und Licht, ein Bräutigam,
so wird der Friedensfürst erscheinen,
weil endlich seine Stunde kam.
Er führt die Menschen zueinander,
macht seine Liebe allen kund.
Er hat uns seinen Leib gegeben.
So feiern wir den Neuen Bund.