Auf dieser Seite finden Sie Gedanken zum Sonntag oder eine ausformulierte Predigt sowie ein Segensgebet.

Die Predigten hier können in Form und Inhalt von den Predigten im Gottesdienst abweichen.


Am ersten Sonntag im Monat findet um 9 Uhr in Borken und am dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr in Homberg ein Kindergottesdienst statt.


Die Lesungstexte der Sonn- und Wochentage finden Sie unter:

33. Sonntag im Jahreskreis

15. November 2025

Gedanken zum Sonntag
Segen

„Gestern standen wir am Abgrund -
heute sind wir einen Schritt weiter“ – so lautet ein ironisches Wort, das hin und wieder gebraucht wird.


Gestern standen wir am Abgrund – heute sind wir einen Schritt weiter.

Die Welt steht am Abgrund.

Dieses drastische Bild kommt mir in den Sinn, wenn ich das Evangelium höre.

der 33. Sonntag im Jahreskreis führt uns jedes Jahr an die Grenze: an die Grenze der Zeit, der Geschichte, der Welt, wie wir sie kennen.


Die Lesungen sprechen von Erschütterungen, von Umbrüchen, von Endzeiten. Jesus nimmt seine Jünger mit hinein in eine Wirklichkeit, die ihnen – und uns – nicht leichtfällt: Nichts bleibt, wie es ist.

Nicht einmal der prachtvolle Tempel von Jerusalem, Symbol religiöser Identität und nationalen Stolzes, bleibt stehen. „Kein Stein bleibt auf dem anderen“, sagt Jesus.

Jesus spricht von der Zerstörung des Tempels, von Kriegen, Erdbeben und Verfolgungen.

Es klingt wie eine Welt am Abgrund.

Alles Materielle vergeht.


Das, was uns wichtig ist, wird zerstört.

Auch im religiösen Bereich bleibt nichts mehr, wie es war.

In der Tat: Blick auf die Lage auf unserer Welt kann das bestätigen: Klimakonferenz in Brasilien – Das Ringen um einen Weg zur Abwendung der Klimakatastrophe.

Die Überlegungen und Entscheidungen in Deutschland, die alles andere als klimafreundlich sind und Beteuerungen, sich für den Klimaschutz zu engagieren, ad absurdum führen.

Die aktuellen Wirbelstürme in Amerika und Portugal.

Die Veränderungen kommen spürbar auf uns zu.

Sie haben uns erreicht und werden uns noch massiv betreffen.

Die Welt steht am Abgrund.

Der Blick in die Gegenwart und in das Evangelium lassen in diesem Thema sich leicht verknüpfen.


Das Ende der vergänglichen Welt ist unausweichlich.

Aber wir dürfen es selbst nicht herbeiführen, das sollen wir doch bitte Gott überlassen.

„Doch was Gott herbeiführt, sagt die Schrift,

ist nicht bloß Ende, sondern Vollendung,

nicht bloß Zerstörung, sondern Verwandlung,

nicht bloß Untergang, sondern Aufgang,

nicht bloß Abschied, sondern Ankunft.“

Auf diesem Hintergrund kann ich den Satz Jesu gut hören.

Seine Rede endet mit einer Zusage: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“

Unser Ziel ist ein Gewinn: das Leben werden wir gewinnen.

Und so ruft Jesus mitten in der Unsicherheit uns zur Standhaftigkeit – zur inneren Stärke, auf.

Nicht Angst soll unser Leben bestimmen, nicht der uneingeschränkte Blick auf die materiellen Dinge, sondern auf die Vollendung, auf Verwandlung, auf Aufgang, auf Ankunft.

Jesus beschreibt im Evangelium (Lk 21,5–19) keine Katastrophenprophezeiungen, um Angst zu machen.

Er benennt, was das Leben ohnehin mit sich bringt: Veränderungen, Unsicherheiten, Konflikte, Bedrohungen.

Aber er sagt gleichzeitig: „Habt Vertrauen. Bewahrt Standhaftigkeit.“

Oder in anderer Übersetzung: „Durch Ausdauer werdet ihr euer Leben gewinnen.“

Das heißt: Die Welt mag wanken – aber wir müssen es nicht.

Warum?
Weil uns etwas trägt, das nicht wankt: Gott.

Was trägt im Leben, wenn vieles ins Wanken gerät?

Das Leitwort des Diasporasonntags schlägt die Brücke:

„Stärke, was dich trägt“ –

Stärke, was dich trägt.

Das Leitwort dieses Jahres lädt uns ein:

„Stärke, was dich trägt.“

Nicht: Stärke, was dich größer macht.
Nicht: Stärke, was dich glänzen lässt.
Sondern: Stärke, was dich trägt.

Also: das Fundament, die Wurzel, die Quelle.

Was trägt uns? Drei Impulse

a) Der Glaube, der größer ist als die Umstände

In Zeiten der Unsicherheit halten Menschen sich an vieles – an Meinungen, an Strukturen, an Sichtbares.

Doch was trägt wirklich?

Jesus sagt:
„Ich werde euch Worte und Weisheit geben.“
Das heißt: Er selbst trägt, nicht unsere Leistung.

Der Glaube ist nicht ein Prestigeprojekt.
Er ist ein Lebensfundament.

b) Die Gemeinschaft, die trägt und stärkt

Diaspora heißt: Wir sind nicht viele – aber wir sind füreinander wichtig.
Wo wenige glauben, ist jeder Einzelne ein Licht.

„Stärke, was dich trägt“ heißt daher auch:
Pflege die Gemeinschaft, die dich hält.
Pflege Beziehungen, nicht nur Strukturen.
Zeige dich, auch wenn du nicht zahlreich bist –

denn jeder Funke Glauben ist ein Zeugnis.

c) Die Hoffnung, die trägt, wenn alles andere wankt

Jesus spricht im Evangelium von Verfolgung, von Brüchen, von Unsicherheit. Und dann sagt er:
„Kein Haar eures Hauptes wird verloren gehen.“

Das ist keine Garantie für ein bequemes Leben.
Es ist eine Verheißung: Gott hält dich fest.

Wer so hofft, kann selbst in brüchigen Zeiten festen Boden gewinnen.

Stärke, was dich trägt.

Dieses Leitwort erinnert uns daran, dass Glauben nicht in erster Linie Aktivismus ist, sondern Vertiefung.


Nicht zuerst „mehr tun“, sondern „tiefer wohnen“.

  • Stärke dein Gebet – es trägt dich in den Tag hinein.
  • Stärke deinen Blick auf das Evangelium – es trägt deine Entscheidungen.
  • Stärke deine Verbundenheit mit der Gemeinde – sie trägt, wenn du selber schwach bist.
  • Stärke deine Hoffnung – sie trägt dich durch Zeiten der Dunkelheit.

Wer stärkt, was ihn trägt,

der baut sein Leben auf festem Grund.
Und der wird selbst zum Träger für andere.

Ein leiser, aber starker Glauben

Liebe Schwestern und Brüder,
Am Diaspora-Sonntag denken wir besonders an die Christinnen und Christen, die ihren Glauben in Minderheitssituationen leben:

in Gegenden, in denen man auf den ersten Blick gar nicht merkt, dass Kirche da ist; wo Glocken nicht selbstverständlich klingen, wo christliche Symbole leiser, unauffälliger, vielleicht sogar angefochtener sind.

Die Diaspora ist ein Raum der Geduld, des Aushaltens, der Treue.
Aber sie ist auch ein Raum des Wachsens – gerade deshalb, weil nichts selbstverständlich ist.

Der Diaspora-Glaube ist oft leise – aber er ist stark.
Er weiß um die Kraft des Samens, nicht um die Macht der Zahlen.
Er weiß, dass Gott selbst dort wirkt, wo es äußerlich unbedeutend aussieht.

Heute lädt uns Jesus ein, mitten in den Herausforderungen dieser Zeit nicht zu verzweifeln, sondern tiefer zu vertrauen.


Und das Leitwort erinnert uns daran, wo wir beginnen sollen:

„Stärke, was dich trägt.“
Dann kann kommen, was will – wir stehen auf festem Grund.

Stärke, was dich trägt –

und dann, wenn du am Abgrund des Lebens stehst, dann wird der nächste Schritt ein Schritt in die Vollendung, den Aufgang, die Verwandlung, das Leben sein.



Peter Göb

Es gilt das gesprochene Wort

Barmherziger Gott,

Du weitest unseren Blick über unseren Ort

und unser Land hinaus.


Du begegnest uns in den Menschen anderer Kulturen.

Begleite uns in der Begegnung miteinander

und schenke uns Verbundenheit mit allen Menschen

dieser Welt.

Denn „Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen“.


So segne und begleite euch der dreieine Gott…