Auf dieser Seite finden Sie Gedanken zum Sonntag oder eine ausformulierte Predigt sowie ein Segensgebet.

Die Predigten hier können in Form und Inhalt von den Predigten im Gottesdienst abweichen.


Am ersten Sonntag im Monat findet um 9 Uhr in Borken und am dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr in Homberg ein Kindergottesdienst statt.


Die Lesungstexte der Sonn- und Wochentage finden Sie unter:

2. Sonntag nach Weihnachten

04.01.2026

Gedanken zum Sonntag

in Deutschland gelten – so sagen Prüfungen und Berechnungen – rund 16.000 Brücken als baufällig.

Die notwendigen Sanierungsarbeiten sollen etwa 100 Milliarden Euro kosten, Tendenz steigend.


Wir kennen die Folgen ganz praktisch: Wenn eine Brücke saniert wird, gibt es Fahrbahnverengungen, Umleitungen, Stau. Es kostet Zeit, Geduld und oft auch Nerven.

Brückensanierungen ist wichtig – aber sie ist mühsam.


Und vielleicht ist das ein gutes Bild für unser Leben.

Denn auch dort gibt es Brücken. Brücken, die man nicht sehen kann, die aber entscheidend sind: Brücken zwischen Menschen, Brücken zwischen Gott und uns.


Mit dem Evangelium dieses zweiten Sonntags nach Weihnachten schlagen wir genau eine solche Brücke – eine Brücke zurück zum ersten Weihnachtstag. Denn dort wird jedes Jahr der sogenannte Johannesprolog gelesen, die ersten 18 Verse des Johannesevangeliums. Auch heute haben wir diesen Text gehört.


Johannes erzählt nicht von Hirten und Engeln, nicht von Krippe und Stall. Er geht tiefer. Er spricht vom Wort, das Fleisch wird.

Vom Licht, das in die Welt kommt.


Vom Gott, der sich nicht fernhält, sondern mitten hinein in unsere Wirklichkeit kommt – und der doch erfährt, dass „die Seinen ihn nicht aufnahmen“.

Mit dem Kommen Gottes in unsere Welt schlägt er eine Brücke.
Eine Brücke zwischen Himmel und Erde.
Eine Brücke zwischen Gott und Mensch.

Und mehr noch: Gott baut diese Brücke nicht nur – er geht selbst über sie. Ja, in Jesus Christus ist er selbst diese Brücke.

Das feiern wir an Weihnachten und in diesen Tagen. 


Denn Brücken bauen, Brücken erhalten und über Brücken gehen – das ist ein lebenslanges Thema.

Und vielleicht auch ein guter Vorsatz für dieses noch junge Jahr 2026.

Wir wissen: Viele Vorsätze werden vom Alltag schnell wieder eingeholt. Aber wenn wir zwei oder drei ins neue Jahr hinüberretten könnten – das wäre doch schon viel.


Und wenn einer davon lautet: Ich will Brücken bauen, dann ist das ein besonders guter Vorsatz.


Zum Beispiel:
Wo kann ich für Gott eine Brücke bauen?
Vielleicht, indem ich mir wieder bewusst Zeit nehme für ein kurzes Gebet.

Nicht lang, nicht kompliziert – vielleicht morgens vor dem Weggehen oder abends vor dem Schlafengehen.

Oder indem ich einen Gottesdienst nicht als Pflicht, sondern als Begegnung verstehe. Eine Brücke, über die Gott bei mir ankommen darf.

Oder ganz konkret im Alltag:
Wenn ich mir vor einer wichtigen Entscheidung kurz bewusst mache: Ich muss das nicht allein tragen. Auch das ist eine Brücke.

Und dann die Brücken zu den Menschen:

Welche Brücke zu welchem Menschen müsste, oder könnte ich in diesem Jahr 

bauen?


Vielleicht gibt es da einen Kontakt, der abgebrochen ist.

Vielleicht ist die Brücke nicht komplett eingestürzt, aber sie ist rissig geworden.

Ein erster Schritt könnte ein Anruf sein, eine Nachricht, ein offenes Wort.


Oder im Kleinen:
Nettes Wort zu einem andern Menschen, kurz Zeit finden und in Kontakt treten.

Auch das sind Brücken – schmale vielleicht, aber tragfähige.


Ich möchte Anregungen für einen guten Vorsatz, für Wachstum im Glauben und für lebendige Beziehungen mitgeben.

Denn Brücken zu sanieren oder neu zu bauen ist nicht einfach. Es gehören immer zwei dazu. Manchmal ist der andere noch nicht so weit. Das dürfen wir akzeptieren.


Aber eines gilt:
Gott baut seine Brücke zu uns – ohne Vorbehalt.
Er ist schon da.

Bevor wir planen, bevor wir leisten, bevor wir scheitern oder neu anfangen. Er begleitet uns nicht erst, wenn alles geregelt ist, sondern gerade dann, wenn wir unsicher sind und nicht wissen, was dieses Jahr bringen wird.


Er befähigt uns zu einem guten Leben, wie es in der Lesung heißt: heilig und untadelig zu leben, nicht perfekt, aber ausgerichtet auf das Gute. Auf die Richtung kommt es an. Das ist das wichtige.


16.000 Brücken sind in Deutschland baufällig.


Vielleicht ist es ein guter Moment, zum Jahresanfang auch die Brücken unseres eigenen Lebens in den Blick zu nehmen:
Welche sind sanierungsbedürftig?
Welche brauchen einen neuen Anstrich?

Das neue Jahr kann aber auch Anlass sein, anderen zu sagen, wie wichtig sie uns sind. Wie tragfähig die Beziehung und wie wertvoll die Bezeihung ist.

Auf diese tragenden Brücken dürfen wir uns verlassen.

Heute. Morgen. Und in diesem neuen Jahr.