Auf dieser Seite finden Sie Gedanken zum Sonntag oder eine ausformulierte Predigt sowie ein Segensgebet.
Die Predigten hier können in Form und Inhalt von den Predigten im Gottesdienst abweichen.
Am ersten Sonntag im Monat findet um 9 Uhr in Borken und am dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr in Homberg ein Kindergottesdienst statt.
Die Lesungstexte der Sonn- und Wochentage finden Sie unter:
„Selig die Trauernden,
selig die Armen,
selig die Friedfertigen…“
Wie oft haben Sie diesen Text, den Beginn der Bergpredigt, die Seligpreisungen schon gehört?
Dieser Text wird im Jahreskreis, Allerheiligen, bei mancher Trauerfeier und zu anderen Anlässen vorgetragen.
Wenn wir etwas oft
hören, sehen, machen, dann besteht die Gefahr, dass etwas harmlos wird,
dass wir nicht mehr hinsehen, hinhören.
Dann besteht die Gefahr, dass ein Text, ein Bild, eine Aussage keine Bedeutung mehr für uns haben.
Bei dem alten Text der Seligpreisungen besteht, so glaube ich, diese Gefahr.
Zumal, weil sie wie aus einer anderen Welt scheinen.
Bei uns gilt oft das Recht des Stärkeren.
Die Mächtigen spielen ihre Macht aus.
Auch in demokratischen Ländern wird Macht inzwischen teilweise willkürlich angewandt.
Bei uns gib es Bestrebungen, Errungenschaften im sozialen Bereich aufzuweichen oder abzuschaffen. Errungenschaften, für die Menschen viele Jahre und Jahrzehnte gekämpft haben.
Menschen wird das Streben nach Lifestyle unterstellt, doch kaum jemand schaut auf die Rahmendbedingungen dieser Menschen, auf die Umstände ihrer Lebenssituation.
Menschen wird Faulheit unterstellt.
Aber die Anzahl der bezahlten Arbeitsstunden in Unternehmen, Behörden und Einrichtungen aller Art war noch nie so hoch, wie sie aktuell ist.
Bei uns wird alles dem wirtschaftlichen Wachstum untergeordnet.
Du musst dein Leben nach der Wirtschaft ausrichten, wird uns suggeriert.
Der Mensch ist mehr als Arbeit und Arbeit ist mehr als Geldverdienen.
Zahlreiche Menschen arbeiten viel, ohne dass sie dafür Geld bekommen.
Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ist auf Rekordniveau, die Anzahl der Überstunden liegt bei 1,2 Milliarden, die Hälfte davon ist unbezahlt.
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt unter anderem: „Alle aber, die ihre Zeit und Kraft mit gebührendem Verantwortungsbewusstsein der Arbeit widmen, sollten auch über ausreichende Ruhezeiten und Muße verfügen für das Leben mit ihren Familien, für ihr kulturelles, gesellschaftliches und religiöses Leben” (GS, 67).
In unserer
Leistungsgesellschaft könnte man gut formulieren:
Selig sind die Erfolgreichen.
Selig sind die, die gut aussehen.
Selig sind die, die immer stark wirken und nichts an sich ranlassen.
Das ist aber nicht die Logik Jesu.
Jesus fragt nicht
zuerst:
– Was hast du erreicht?
– Wie stark bist du?
– Wie perfekt ist dein Leben?
Die Seligpreisungen
drehen unsere Blickrichtung um:
Nicht das, was glänzt, bleibt.
Nicht das, was laut ist, hat das letzte Wort.
Nicht die Macht entscheidet – sondern die Liebe Gottes.
Jesu Worte und Fragen gehen in eine andere Richtung:
Vertraust du mir?
Lässt du dich von mir tragen?
Bist Du offen für den Mitmenschen?
Bist Du offen für mich und meine Botschaft?
Die Seligpreisungen sagen uns:
Dein Leben ist nicht wertlos,
auch wenn es
zerbrechlich ist.
Dein Glaube ist nicht schwach, auch wenn du zweifelst.
Deine Tränen sind nicht sinnlos,
auch wenn sie niemand sieht.
Vielleicht heißt es heute für uns:
Jesus stellt uns auf
einen anderen Boden.
Nicht auf den der Leistung,
sondern auf den der Gnade und Erlösung.
Es braucht nicht mehr Leistung oder mehr Arbeitsstunden.
Es braucht mehr Barmherzigkeit, mehr Sanftmut.
Mehr Mut zum Frieden,
Es braucht mehr Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, damit die Hungernden und Dürstenden – egal nach was sie hungern und dürsten – satt werden.
Seligpreisungen (Klaus Hemmerle)
Selig,
die das Interesse des anderen
lieben wie ihr eigenes -
denn sie werden Frieden und Einheit stiften.
Selig,
die immer bereit sind,
den ersten Schritt zu tun
denn sie werden entdecken,
dass der andere viel offener ist,
als er es zeigen konnte.
Selig,
die nie sagen: Jetzt ist Schluss! -
denn sie werden den neuen Anfang finden.
Selig,
die erst hören und dann reden -
denn man wird ihnen zuhören
Selig,
die das Körnchen Wahrheit in jedem
Diskussionsbeitrag heraushören -
denn sie werden integrieren
und vermitteln können.
Selig,
die ihre Position nie ausnützen
denn sie werden geachtet werden.
Selig,
die nie beleidigt oder enttäuscht sind;
denn sie werden das Klima prägen.
Selig,
die unterliegen und verlieren können;
denn der Herr kann dann gewinnen.
Peter Göb
Quellenangaben liegen vor
© Christus Epheta, Homberg (Efze) - Christkönig, Borken (Hessen)